Eingebung

Gestern war ich in Düsseldorf, um Dinge zu tun, die ich abgesehen von essen immer in Düsseldorf tue: Schalen, Teekannen und Tassen angucken.

In einem Laden entdeckte ich diese beiden wahnsinnig tollen Tassen mit diesem unglaublich altmodischen Charme. In dem Moment wusste ich, dass ich entdeckt hatte, wonach ich schon seit Monaten suchte.

Beim Designen von privaten Projekten verfolgte ich meistens irgendein Gefühl, das ich visualisieren möchte und das der Betrachter hinterher so ähnlich empfinden soll. Jedes Projekt transportiert für mich ein anderes Gefühl. Das Horrorspiel, das meine Schwester und ich konzipieren, soll – zumindest in meiner Vorstellung – einen altmodischen Charme besitzen, als ob die Zeit in der Umgebung vor vielen Jahren stehen geblieben wäre. Eine individuelle Schönheit, nicht staubig, dafür eine Urigkeit, eine Wärme gepaart mit einer gewissen Sehnsucht, die ich nicht in Worte fassen kann.

Jedenfalls repräsentierten die beiden Tassen genau das. Die Farbgebung, die Materialität, die Muster.

Das Gute bei meinem eigenen Projekt ist, dass niemand erwartet, dass ich das, was mir vor Augen schwebt sofort visualisiere. Niemand reißt mir einfach die Zügel aus der Hand. Niemand stellt mittendrin die Weichen um. Ich kann alles langsam aufbauen, vom Groben zum Feinen, es formen wie ein Bildhauer eine Skulptur aus einem Klumpen Lehm. Ob es mir gelingt, weiß ich natürlich nicht, aber diese wunderschönen Tassen haben mir gezeigt, dass es theoretisch möglich ist, dass es in der realen Welt etwas gibt, das sich momentan noch diffus als Gefühl/Idee in meinem Kopf herumgeistert, aber hoffentlich nächstes Jahr auf meinem Bildschirm zu sehen sein wird.

Leider habe ich mir diese Tassen nicht gekauft. Hoffentlich sind sie beim nächsten Mal noch da.

Chancen

In letzter Zeit überkommt mich schubweise eine Traurigkeit. Ich weiß warum. Es ist vielleicht nicht das schönste Gefühl, das man sich vorstellen kann, aber letztlich handelt es sich nur um ein Nebenprodukt eines mehr oder weniger unterbewussten Verarbeitungsprozesses. Das Leben geht also weiter und ich schleife momentan lediglich ein paar Lasten hinter mir her, die ich leider nicht einfach so abstoßen kann.

Das Praktische ist, dass Traurigkeit mich zu Kreativität und Veränderung inspiriert. Nächste Woche, sobald ich das neue Ren-Dhark-Manuskript abgegeben habe, werde ich als erstes einen Plan für die nächsten Wochen erstellen, um mein Leben effizienter zu gestalten. Es gibt so viele Dinge, die ich schon seit Jahren tun möchte, für die ich aber bislang nie Zeit fand oder finden wollte.

Beispielsweise habe ich letztes und vorletztes Jahr einige Illustrationen angefangen und nie zuende gebracht. Seit 2015 wollte ich ein kleines Spiel entwickeln, bin aber über ein paar Concept-Arts und einer animierten Figur nie hinaus gekommen. Kürzlich habe ich mit der Recherche und ersten Türrahmen-Assets für ein neues Projekt begonnen, das aber zugunsten eines anderen zurückgestellt, aus welchem sich jedoch nichts ergeben hat.

Ich brauche dringend wieder einen Erfolg, und zwar in der Hinsicht, dass ich andere Menschen mit meiner Arbeit bewege. Das klingt vielleicht komisch, da ich schon seit einigen Jahren als Romanbuchautorin arbeite, aber Ren Dhark ist nicht unbedingt auf Emotionen oder komplizierte zwischenmenschliche Situationen ausgelegt, sondern primär auf Abenteuer und Action.

Vor ein paar Jahren hat mich jemand auf einen Comic angesprochen, den ich vor sechszehn Jahren mal auf eine Internetseite geladen und rund ein Jahr später wieder gelöscht hatte. Ich war sehr überrascht, weil ich den Comic eigentlich schon verdrängt hatte. Wer meine Comics von damals kennt, der weiß, dass die Geschichten … ungewöhnlich waren, sie also nicht darauf angelegt waren, besonders vielen Leuten zu gefallen. Ich wollte aber, dass die Leser etwas davon in Erinnerung behalten, und sei es nur ein Gefühl. Deshalb ist es für mich das schönste Kompliment, wenn sich jemand auch Jahre später noch an etwas von mir erinnert, das nur verhältnismäßig wenige Menschen je zu Gesicht bekommen haben.

Aus diesem Grund möchte ich demnächst einen neuen Roman umsetzen und dafür KiW zurückstellen. Es wird ein relativ kurzer Pseudo-Historical-Romance mit wenig Romance, aber dafür einer emotionalen Komplexität, die eher untypisch für das Genre ist. Das brauche ich jetzt. Ich bin gespannt, wie viele Leser den Roman enttäuscht in die Ecke schmeißen, wie viele bis zum Ende durchhalten, wie viele die Handlungs nachvollziehen können und wie vielen er gefällt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass da draußen einige Leser sind, die genau auf eine solche Geschichte gewartet haben. Warum? In den letzten zwei, drei Jahren war ich selbst auf der Suche nach solchen Geschichten, und wurde bis auf ein, zwei Romane nicht fündig. Mein persönlicher Geschmack ist meines Erachtens nicht so abgedreht, als dass ich behaupten würde, eine Ein-Personen-Zielgruppe zu sein.

Und nein, ich sitze nicht traurig vor der Tastatur und tippe traurige Szenen. Beim Arbeiten bin ich zu konzentriert, um mich mit mir selbst zu beschäftigen. Wenn ich aber in zwei, drei Monaten noch traurig sein sollte, wird mir der Erfolg, das Buch fertig geschrieben zu haben, hoffentlich über das nervige Gefühl hinweghelfen. Aber erstmal muss ich anfangen. ;)

Unerträgliche Menschen

2005 oder so habe ich meinen allerersten richtigen Roman mit 450.000 Anschlägen getippt. Er war ziemlich schlecht, aber ich war zufrieden, weil ich zuvor nur 10-seitige Kurzgeschichten geschrieben und nie geglaubt hatte, dass ich überhaupt längere Texte schreiben könnte. Im Laufe der letzten Jahre habe ich das Manuskript zwei- oder dreimal neu geschrieben. Jetzt verspüre ich das Bedürfnis, die nächste Runde einzuleiten, weil mir neue Ideen gekommen sind, wie ich ihn besser machen könnte.

Unter anderem gibt es in dem Roman eine Figur, nämlich die „beste Freundin“ und Gegenspielerin der Protagonistin, auf die ich Lust habe. In der Urfassung war sie tatsächlich nur eine egoistische Schnepfe, später kam eine gewisse Weinerlichkeit hinzu, und auch die Protagonistin verweichlichte. Nun überlege ich, Nägel mit Köpfen zu machen und der Gegenspielerin ein paar exteremere narzisstische Züge zu verpassen. Gleichzeitig möchte ich die emotionale Abhängigkeit der Protagonistin von dieser Person besser herauskristallisieren.

Das klingt total öde, ich weiß.

Wenn wir auf unerträgliche Menschen stoßen, ist unser erster Gedanke in der Regel Flucht. Warum also sollte die Protagonistin die Gegenspielerin als Freundin betrachten? Wie kann man die Beziehung glaubwürdig darstellen? Das sind Dinge, die muss ich klären, bevor ich darüber nachdenke, ob der Leser sowas überhaupt lesen will.

Da ich selbst jüngst auf eine Person traf, der ich einfach nicht entkommen konnte, fand ich die Frage sehr spannend und habe mal ein bisschen Selbstanalyse betrieben.

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Inktober und ein neues Projekt

Inktober hat begonnen und ich bin erstmals seit Jahren pünktlich. Es fing schon super an, als ich meinen Füller öffnete und erstmal zwei fette Tintenkleckse auf die Skizze platschten. Das Bild ist leider nicht so gut geworden, daher poste ich es nicht hier im Blog. Wahrscheinlich werde ich Ende des Monats eine Übersicht aller Inktober-Bilder posten. Ich hoffe, ich kriege mindestens dreißig zusammen, dann könnte ich nämlich ein kleines Büchlein daraus binden.

Vorhin habe ich mit den ersten Entwürfen für mein neues Horrorspiel-Projekt begonnen. Nachdem ich lange Blender nicht mehr angerührt habe, ist alles ganz ungewohnt, aber so langsam komme ich wieder rein. Zum jetzigen Zeitpunkt ist alles noch offen. Ich gestalte erstmal ein paar Platzhalter-Assets und baue grob ein Haus damit. Die Vorgehensweise ist zugegebenermaßen nicht ganz optimal, da ein Grundrissplan sinnvoller wäre, aber darum kümmere ich mich später. Erst möchte ich ein paar Fenster und Vasen zusammenklicken.

In meinem Bücherschrank steht schon seit neunzehn Jahren ein Einrichtungsbuch von 1977. Die Leute hatten damals nicht nur komische Frisuren, sondern auch komische Einrichtungsgegenstände. Von letzterem lasse ich mich inspirieren, um hoffentlich die »altmodische«, verstaubte Atmosphäre umsetzen zu können, die mir für das Spiel vorschwebt. Das Buch ist so alt, dass ich gar nicht weiß, ob das Beige vom Papier und die dunklen, gelb-/blaustichigen Farben auch im Original mal so waren.

Dekoration jedenfalls wird eine krasse Herausforderung für mich, weil ich kein Dekomensch bin. Zum Glück passt »Rumpelkammer« zum Spiel, sodass ich nur überlegen muss, was die Hausbesitzerin so alles in ihrem Leben angeschleppt haben könnte. Bissi Möbel zu designen wäre auch nicht übel, obwohl das nun gar nicht meine Domäne ist.

Ich freue mich jedenfalls und widme mich in den kommenden Tagen diesem Vorhaben, solange ich noch Zeit habe. Und natürlich Inktober.

Karriere im Weltraum – Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Letzte Woche habe ich es endlich geschafft, die beiden Szenen zu schreiben, die ich schon seit rund zwei oder drei Jahren aufschiebe. Jetzt ist KiW kein Schweizer Käse mehr. Außerdem habe ich bereits etwas mehr als die Hälfte überarbeitet. An Tipselarbeit fehlt nur noch das Ende.

Am Ende befindet sich noch einmal ein großer Knackpunkt. Es handelt sich um ein kleines Detail, vielleicht einen halben Absatz lang, das große Wirkung haben wird. Das klingt unglaublich intellektuell, tatsächlich aber geht es nur um Kalkül.

Der Roman ist ein ziemlicher Depriroman, jedoch ohne Depri. Die Hauptfigur benimmt sich über große Teile des Buches hinweg wie ein Arsch, macht jedoch gegen Ende hin eine große Entwicklung durch – oder sagen wir mal, er bemüht sich. Diese Bemühung könnte ich damit honorieren, eine andere Figur doch nicht über die Klinge springen zu lassen. Für den Leser wäre das vermutlich ein zufriedenstellendes Ende, weil nach dem ganzen Mist endlich so eine Art Frieden einkehrt.

Stirbt diese eine Figur jedoch, könnte es den Leser unzufrieden zurücklassen, denn das Ende ist kein Happy End im klassischen Sinne. Die Hauptfigur wird scheitern, doch das Überleben der einen Figur wäre eine Art Hoffnungsschimmer, dass es doch noch bergauf gehen könnte. Der Tod würde eine weitere Talfahrt bedeuten.

Jedenfalls tendiere ich momentan zum „glücklichen“ Ende, um ein Erfolgserlebnis für die Hauptfigur zu generieren.

Gestern Nacht habe ich auch über das Cover nachgedacht. Nach wie vor bin ich mir unsicher, ob ich es delegiere oder doch selbst krakele … Selbst krakeln wäre natürlich ideal, besonders wenn es gut würde.