Neid?

Ich werde vielfach kritisiert und angegangen, manchmal zu recht, manchmal zu unrecht. Letzteres passiert mir öfter im Zusammenhang mit meinem Lernprozess.

Als ich mit ca. 13 Jahren ernsthaft mit dem Zeichnen begann, hatte ich eine Freundin, die wesentlich besser zeichnen konnte als ich. Weil ich Lust hatte, mich zu verbessern, um meine Ideen adäquat umzusetzen, habe ich mich also ins Zeug gelegt, ein paar Wochen lang nahezu täglich bis 3 Uhr morgens gezeichnet und wurde zwangsläufig besser. Als ich das erste Mal Lob für meine Zeichnungen erhielt, wurde sie richtig wütend, obwohl ich damals fand, dass sie noch immer besser war als ich.

Ähnliche Vorfälle ereigneten sich im Laufe der Jahre öfter. Ich weiß nicht, ob die Leute denken, meine Fähigkeiten fielen vom Himmel. Wenn ich ein nettes Bild male oder eine nette Geschichte schreibe, steckt da einfach viel Arbeit hinter, die die meisten Leute nicht gewillt sind, zu investieren. Im Gegenteil: Sie kritisieren mich für die Zeit, die ich investiere.

Letztes Jahr bin ich einem Hobbyprojekt beigetreten, bei dem es hieß, dass alle Teammitglieder daran lernen sollten. Ich nutzte die Gelegenheit, um ein bisschen 3D zu vertiefen, weil es teilweise schneller geht, eine Idee zu modellieren als zu malen. Dabei betonte ich stets, dass das nur Entwürfe sind, die unsere 3Dler in gut umsetzen können, sofern die Entwürfe etwas taugen.

Anfang des Jahres trat X unserem Team bei. Zunächst war er sehr nett und ermutigte mich, 3D weiterzumachen, wobei ich keinen Hehl daraus machte, kein Modellierer zu sein. Ich habe ihm nie gesagt, meine Entwürfe so zu nehmen, wie sie sind, und als er es doch tat, bat ich ihn darum, mir zu zeigen, wie man sie verbessert, damit er nicht zu viel Arbeit damit hat. Also zeigte er es mir, und ich denke, meine Modelle wurden aus technischer Sicht zusehends besser, wenn auch noch lange nicht so gut wie X‘.

Ab einem gewissen Punkt kritisierte X meine Modelle nicht mehr konstruktiv, sondern lästerte hinter meinem Rücken darüber, beklagte sich beim Projektleiter, wie viel Zusatzarbeit ich ihm doch machen würde. (Ha, ich war fast die einzige, die überhaupt etwas zum Projekt beisteuerte.) Er begann, mich noch aktiver auszubooten als bisher, um sich selbst aufzuwerten.

Heute glaube ich, dass er neidgetrieben handelte, denn wenn ich betonte, kein Modellierer zu sein, sondern nur Entwürfe zu machen, und betonte, dass er sehr viel besser ist als ich, beruhigte er sich temporär. Dann jedoch riss er immer mehr Aufgabenbereiche an sich, vor allem auch meine.

Er sah, dass ich Zeit investierte, und sah, dass ich mich verbesserte. Und plötzlich machte ich ihm zu viel Arbeit, obwohl er meine Modelle gar nicht hätte nehmen brauchen? Plötzlich musste er mich aus dem Art Lead rausdrängen? Sehr merkwürdig.

Ich muss aber gestehen, dass mich das anspornt, mich noch mehr anzustrengen. Meine eigene Projektidee, die er mir in seiner üblichen Manier madig zu reden versuchte, möchte ich jetzt unbedingt umsetzen. Mein Traum ist es, dass sie nicht nur visuell, sondern auch technisch auf hohem Niveau sein wird. Ich möchte, dass sie anderen Leuten gefällt. Ich möchte ein Niveau erreichen, bei dem er sich lächerlich machen würde, wenn er noch einmal solche hinterfotzigen Aktionen starten würde. Am liebsten wäre ich besser als er, damit er künftig hochspucken muss, allerdings kann ich sein Niveau derzeit nicht einschätzen. Erreicht habe ich es aber noch lange nicht.

Mal schau’n … Jetzt mache ich erst einmal das GUI für das Projekt und hoffe, dass es gut wird. Ich spüre, dass ich derzeit wieder gegen meine „Lieblingsmauer“ renne, die ich erst einmal durchbrechen muss. Dahinter befinden sich neue kreative Wege. Design läuft eben nicht immer nach dem Motto „das Erstbeste ist das Beste“. Bei mir gehört eine gewisse Portion Unzufriedenheit und Selbstkritik dazu.

Zerstörung, Genugtuung, Flucht

In letzter Zeit habe ich viele private Blogeinträge geschrieben, die sich nicht direkt auf irgendeine meiner Arbeiten beziehen. Indirekt tun sie es natürlich schon, weil ich alles in irgendeiner Form verwurste.

Im Augenblick beschäftigt mich die Frage, wieviel Privates man von sich preisgeben sollte. Meiner Erfahrung nach am besten so wenig wie möglich, denn je mehr man über sich erzählt, desto mehr Angriffsfläche bietet man.

Ich bin schon vielen Menschen begegnet, die sich als souverän und selbstbewusst darstellen, aber bei der kleinsten Enttäuschung in sämtliche meiner Lebensbereiche hineintreten, als gäbe es kein Morgen. Ob sie sich damit selbst aufwerten, weiß ich nicht. Vielleicht gibt ihnen die Zerstörung Genugtuung.

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Bah, ich bin romantisch!

Mit Kerzenschein und Sich-Verliebt-In-Die-Augen-Starren konnte ich nie etwas anfangen. All die romantischen Klischees reizen mich nicht, zu vorhersehbar, zu choreografisch, zu austauschbar. Ich bevorzuge das Besondere, das Individuelle.

Letzte Woche Samstag war ich unterwegs, und als ich im Zug in meiner Handtasche wühlte, hielt ich plötzlich einen Einkaufszettel in der Hand. Die Schrift darauf war nicht meine, sondern von X. Obwohl ich damit kein sehr schönes Erlebnis verbinde und der Zettel nichts Besonderes an sich hat, hängt er seit gestern an meiner Pinnwand. Ich hatte ihn zwischenzeitlich versehentlich in den Papierkorb geworfen und erst vor ein paar Stunden wieder ausgebuddelt. Auf der Rückseite habe ich das Datum notiert: 15.05.17. Nun ist ein Teil der Erinnerung konserviert.

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Die Sehnsucht danach, wertgeschätzt zu werden

In den vergangenen Wochen habe ich viel über zwischenmenschliche Beziehung und insbesondere über Freundschaft gelernt. Vor allem eine Frage hat mich zum Nachdenken gebracht: „Was bringt es dir eigentlich, dir meine Probleme anzuhören?“

Bislang hatte ich es immer als das Normalste der Welt betrachtet, meinem Gegenüber ehrlich und interessiert zuzuhören. Nie erwartete ich dafür eine Gegenleistung. Ich habe es gemacht, weil ich es konnte.

Kurioserweise erscheint diese Einstellung vielen Menschen total abwegig zu sein.

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